Freitag, 13. Mai 2011

Getanzte Skulpturen

Am heutigen Tanz-Parcours durch die Innenstadt von Bern wurde wieder einmal deutlich, wie eng Tanz, Performance und bildende Kunst je länger desto mehr ineinander verschmelzen. In den Kurz-Choreografien gab es immer wieder Momente, in denen die Tänzer und Tänzerinnen ganz im Sinne von Erwin Wurm so genannte One-Minute-Sculptures schufen. Die Kultussen waren dabei und haben ab und zu sogar  im richtigen Moment abgedrückt.

Die Tänzerinnen  Maja Brönnimann und Stefanie Bolzli eroberten den Bahnhof mit Folklore und Wagemut.


Wie zwei Prostituierte aus einem Fellini Film:  Mercé de Rande und Francesca Honegger verführten das Publikum mit grotesker Sexyness.

Hier sass eben noch Daria Gusberti. Von ihrer Performance zum Thema "Hall of Fame" blieb am Ende  ein wenig Glitzerstaub übrig.

 

Mittwoch, 11. Mai 2011

Sonja Braas’ „Forces“ in der Galerie TH13


Die in New York lebende deutsche Künstlerin Sonja Braas eröffnet morgen Abend, 12. Mai von 18 bis 21 Uhr ihre Ausstellung in der Galerie TH 13 am Theaterplatz 13 in Bern. Wie der Titel suggeriert, geht es in ihren Fotoarbeiten um Naturkräfte: Steinlawinen, tosende Meere, ewiges Eis auf dem Berggipfel – alles eingefangen in melancholischen Bildern, die farblich nur wenige Nuancen aufweisen und durch diesen Milchglaseffekt eine mystische Stimmung heraufbeschwören.

Homepage der Künstlerin: http://www.sonjabraas.com/

Dienstag, 10. Mai 2011

Museumspersonal im Fokus V: Der PR-Künstler

Es ist schwierig, über sein eigenes Oeuvres zu sprechen. Einigen Künstlern fällt es leichter, anderen hingegen schwer. Statt grosse Interviews zu führen, ziehen es Journalisten im zweiten Fall vor, Porträts oder Ausstellungskritiken zu schreiben, während Künstler, die viel und gerne berichten, auch schon mal interviewt werden. Es gibt aber auch eine dritte Gattung: Jene Kunstschaffenden, die sich jeglicher Aussage zu ihrem Schaffen verweigern – es sei denn, sie eröffnen bald eine Ausstellung. Dann werden sie plötzlich zu PR-Managern in eigener Sache, bombardieren die Redaktionen mit Pressemappen und rufen täglich an, um nachzufragen, ob denn nun bald ein Artikel erscheint (und wenn die Antwort nein lautet, schieben sie dies nicht selten der „Inkompetenz“ der Journalisten zu). Ist die Ausstellung zu Ende, gibt sich dieser Kunstschaffende wieder unerreichbar. Wenn ein Journalist dann doch die Kühnheit besitzt, beim Galeristen nachzufragen, ob der Künstler zu einem bestimmten Thema Auskunft geben möchte, hört er nicht selten: „Nein, aber er/sie meldet sich dann wieder bei Ihnen, wenn eine aktuelle Ausstellung ansteht.“

Samstag, 7. Mai 2011

Die Kultussen an der BEA

Selten sind Kitsch und Kunst so nah beieinander:
 
 

Doch der Kitsch überwiegt und beweist, dass auch er alle Genres umfasst: 


Genremalerei...

...Aktmalerei...

...Portraitmalerei...

...und, äh, und - nein, ganz ehrlich, soetwas ist nur im Kitsch möglich!

Die Kultussen suchen weiter und finden bei einem Brienzer Holzbildhauerstand doch noch ganz spannende Arbeiten:


Diese Büste ist aus Holz geschnitzt, glänzt aber wie Porzellan. Und die eingesetzten Glasaugen verleihen ihr ein menschliches Aussehen - verstörend.


Lieblingsstück der Kultussen: Diese Holzskulptur zeigt einen Mann, der auf einem überdimensionalen Schwan "reitet" und mit diesem zu verschmelzen scheint. Grotesk, und damit ganz nach unserem Geschmack.

Und zu guter Letzt noch ein Zitat:


Erraten? Genau, sieht aus wie die Charakterköpfe von Franz Xaver Messerschmidt:


Wenn wir nun jemanden für die Holzbildhauerei begeistern konnten: www.partout.ch

Donnerstag, 5. Mai 2011

Von der Antike zurück in die Zukunft

Heute begaben sich die Kultussen an ein und demselben Abend von der Antike in die Belle Epoque und zurück in die Zukunft. Zuerst ging es nämlich an die Vernissage in der triple gallery in Bremgarten, wo zurzeit Zeichnungen aus der Belle Epoque zusammen mit antiken Idolen und Marmorbüsten ausgestellt sind und danach in die Galerie Milieu an eine Auktion mit Gegenwartkunst von Künstlern mit Bernbezug.


Nomen est omen: In die auf antike Kunst spezialisierte triple gallery gelangt man via  Römerstrasse.


Durchs Gartentor links... runter ins Souterrain des Hauses vom .....


Sammler- und Galeristenpaar Ulrike und Peter Feuz.


Serviert werden den Gästen  Häppchen und Cavo. Alles vom Feinsten.


Das sind so genannte Idole: Heute versteht man darunter Leute wie Roger Federer doch eigentlich sind das Marmorfigüren aus der Zeit von 3000-2500 v. Chr.


Augen auf: Das sind  Augenidole, die Ihnen da grimmig entgegenblicken.


Zeitsprung in die Belle Epoque: François Clément Somms (1844-1907) "La joueuse de Billard" verrät viel über die damalige Mode, die feminin und kokett war. Das reizende Bild wurde noch an der Vernissage von einer Sammlerin gekauft.


Auch ein Mädchen, aber ein sehr viel älteres. Der Marmorkopf stammt aus spätrepublikanischer Zeit, ca. ab Mitte 1. Jh. v. Chr.


Hier wird gefachsimpelt....


...nd hier gibts gleich Rosen für Frau Feuz.


Und das sind zwei Damen der besseren Gesellschaft - was immer das heisst - im Gespräch. Die Feuz' fanden die  Skizze mit den lebenslustigen Belle Epoque Mädchen  auf der Rückseite von einer Zeichnung einer  braven Gouvernante.


Kunstvermittlerin Barbara Luginbühl-Sieber führte charmant und informativ  in die Belle Epoque ein.

Ausstellung: Bis am 12. Juni, triple gallery, Römerstrasse 26, 3047 Bremgarten Bern.


Und nun springen wir von der Peripherie in die Berner Altstadt in die Galerie Milieu an den Anlass "Wer ist der beste Künstler/in mit Bernbezug. Kunst und Publikum sind plötzlich um Jahre jünger und statt edler Häppchen gibt es Pommes Chips und Weisswein, dessen Namen man sich nicht zu merken braucht. Dafür ist sogar das Radio DRS da.


Das Prinzip ist einfach: Liste schnappen, Kunstwerk ankreuzen und Summe, die man bereit ist zu zahlen hinschreiben. Alles andere regelt der Markt. Ist Marks Blond jetzt ein Neoliberaler?


Nein, das sei ironisch gemeint. Eine Persiflage sozusagen. Doch Kotscha Reist (links) nimmt das Marks Blond (rechts) nicht ab.


Man wird sogar ein bisschen laut. "Auch off spaces bedienen  doch denselben Markt wie die Galerien", meint Kotscha Reist, der aus einer bewussten Entscheidung heraus bei der von Marks Blond, Galerie Milieu, Grand Palais und Neue Galerie organisierten Auktion nicht mitmachen mochte. "Die Ironie ist hier einfach nicht zu Ende gedacht worden".


"Quatsch. Off Spaces arbeiten unabhängig vom Markt", referiert Blonds und eröffnet so den Galerienstreit, den einst ein Interview von Bernhard Bischoff im Bund auslöste, erneut.


Und Rémy Pia (Galerie Milieu) siehts noch einmal anders: "Das ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Es wird spannend sein in zwanzig Jahren zu sehen, welche Künstler durchgestartet sind und welche in der Versenkung verschwunden sind."


Hipsters wohin das Auge reicht: Nerd-Brillen, aufwändig frisierte Tollen und High Heels sind Trumpf.


Doch verstehen die auch etwas von Kunst oder sind die nur wegen den pampigen Schinkengipfeli da?


Wer bietet zu viel für diesen Bären?


Und wer ersteigert den Geheimtipp für nen Appel und nen Ei?


Ein Kissen für Kachelmann


Ein weisses Pferd für Stadtprinzessinnen


Rigassis blonde Geheimwaffe und die vielleicht jüngsten Kunsthändler der Welt, Kevin Muster und Christian Herren, trinken vorerst mal ein Bier. Kunst ersteigert wird später.


Kirchenfenster oder bizarre Systemtheorie?


Wir Blogger schiessen uns am liebsten gegenseitig selber ab.


Während andere sich kokett hinter der Auktionsliste verstecken und partout nicht verraten wollen, wieviel sie für was bezahlen wollen.


Haar-Künstler Pino Zinna von Coiff your success schreibt grosszügig auf und überlegt sich dabei, ob das Werk seiner Frau gefallen könnte oder nicht. Er hätte eigentlich gerne selbst mitgemacht hat aber die Ausschreibung verpasst. "Ich lese doch nur die Vogue und die Gala, da stand nichts von einer Auktion drin."


Irgendwie öbszön diese Figur.


Da hat ein Künstler auf eine Busse infolge Marihuana-Besitzes seine Drogenfantasien gekritzelt. Ob ein bekiffter Galeriebesucher  plötzlich ganz genau verstehen wird, was das Bild uns sagen will und den Preis nach oben schnellen lässt?


Und hier ein Werk von einem äh gänzlich unbekannten Künstler. Kauft es nicht!

Die Auktion läuft noch genau einen Monat lang in der Galerie Milieu, Münstergasse, Bern.

Sonderbriefmarke von Thomas Hirschhorn


Nun ist er offiziell rehabilitiert: Der Berner Künstler Thomas Hirschhorn hat heute Abend im Progr in Bern seine Sonderbriefmarke für die Schweizer Post vorgestellt. Er hoffe, dass er damit sein angeschlagenes „Schweizer Image“ wieder herstellen könne, scherzte er. Wir erinnern uns: 2004 fiel er bei der Pro Helvetia mit einer Pariser Ausstellung in Ungnade, in der der 54-jährige Konzeptkünstler auf einem Bild einen Hund an das Bein von Bundesrat Christoph Blocher pinkeln liess. Hirschhorn sagte daraufhin, dass er nicht mehr in der Schweiz ausstellen würde, bis Blocher nicht mehr Bundesrat ist – und kompromisslos wie man ihn kennt, hielt Hirschhorn Wort. Seit einigen Jahren ist er „zurück“ und wird im Juni an der Biennale Venedig für die Schweiz ausstellen. Die Homepage zu seinem Biennale-Projekt „Crystal of Resistance“ ist schon online:


Aber zurück zur Briefmarke: Auf den ersten Blick wirkt sie etwas karg, doch beim längeren Betrachten gewinnt sie viel durch die schlichte Gestaltung. Und der auf ein abgerissenes Stück Karton gekritzelte Satz „Art is Resistance“ regt die Briefschreiber und Rechnungsverschicker schon beim Aufkleben zum Nachdenken an. Da macht doch selbst das Erhalten einer Steuerrechnung mehr Spass, oder?

Wer jetzt Lust bekommen hat, wieder mal etwas zu Verschicken, erhält die Marke als 10er-Bogen (ebenfalls von Hirschhorn gestaltet) am Post-Schalter. Da bleibt nur zu sagen: Und ab die Kunst!

Mittwoch, 4. Mai 2011

Sätze und Begriffe, welche die Kultussen nicht mehr hören können:

- „Kulturjournalismus ist tot!“ (Vielleicht hat er sich einfach 
verändert und die Skeptiker weinen bloss alten Zeiten hinterher?)
- „XY ist der bedeutendste Künstler“ (Solche Absolutismen bringen einfach nichts, basta! In diesem Sinne: Picasso war nicht der wichtigste Künstler, der je gelebt hat)
- „Das kann ich auch“ (Nein, kannst du nicht, sonst hättest du es ja getan)
- „Warum ist das Kunst?“ (Darum)
- „Warum ist das dann nicht auch Kunst?“ (Trotzige Gegenfragen werden nicht beantwortet)
- „Topos“ (Klingt sehr gescheit, Gemeinplatz tuts aber auch)
- „Subversiv“ (Ist ja eh alles, oder?)
- „Irritierend“ (Irritiert, wenn man es in jeder Kunstkritik lesen muss)
- „Die Kunst braucht keine Subventionen“ (Dafür die Banken?)
- „Kunst ist, was gefällt“ (Zum Glück nicht. Sonst hätten wir nur noch Katzen- und Sonnenblumenbilder in den Museen)

Dienstag, 3. Mai 2011

Besuch im Kunstkeller


Niklaus Wenger hat gut lachen: Er hat gerade erst das Aeschlimann Corti Stipendium gewonnen.


Das ist Lucy. Sie tanzt an einer Stange und ihr Name evoziert Licht. Ihre Gegenspielerin ist Vera, die Wahrheit. Sinnigerweise hat Niklaus Wenger die beiden Damen zuletzt in einer Galerie im Zürcher Langstrassenquartier ausgestellt.


Auch aus einem Kabel lässt sich eine Skulptur bilden.


Im Video auf dem Boden erkennt man das wichtigste Instrument des  Künstlers: Seine Hände.


Das ist keine Betonwüste, sondern  ein abstraktes Landschaftsbild: Im Hintergrund liegt ein See und ein Berg. Im Vordergrund steht ein Baum.

Ausstellung: Bis am 4. Juni. Vernissage: Do, 5. Mai 18-20 Uhr im Kunstkeller, Gerechtigkeitsgasse 40, 3011 Bern.