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Samstag, 10. Mai 2014

Gurlitt: So war's!


Verzeihen Sie, dass wir uns bis jetzt noch nicht zum Fall Gurlitt geäussert haben. Aber dieser beschäftigt uns im Berufsalltag so sehr, dass wir nach Feierabend bisher keine Muse hatten, auch noch darüber zu bloggen. Das ändert sich hiermit.

„Das ZEIT Magazin“, welches fiktive Dialoge zu einem aktuellen Thema verfasst, brachte uns auf die Idee, einen solchen Gesprächsausschnitt zur unverhofften Erbschaft der Gurlitt-Sammlung verfassen. Er zeigt, wie sich die Kultussen jenen Moment vorstellen, in dem Museumsdirektor Matthias Frehner vom Testament erfuhr. In einer weiteren Rolle: Ruth Gilgen, die Mediensprecherin des Kunstmuseums Bern.

Mittwoch, 9. April 2014

Museumspersonal im Fokus XII: Der PR-Terminator



Er (oder auch sie, in diesem Fall aber: er) ist für die PR eines Museums zuständig, fühlt sich aber insgeheim mehr als dessen Direktor. Entsprechend unmotiviert erledigt er seine Pflichten – oder auch nicht. Denn Medienanfragen beantwortet er aus Prinzip nicht. Wagt es ein Journalist, nachzufragen, erntet dieser erst einmal ein gehässiges Seufzen. Denn der PR-Terminator ist nicht nett zu Journalisten. Er lässt sie auch mal im Ausstellungsraum stehen oder jagt sie mit der Peitsche an den Bildern vorbei. Und er sagt ihnen ins Gesicht, dass er ihren Job viel besser erledigen könnte (obwohl er sich innerlich eher als Chefredaktor denn als einfacher Schreiberling fühlt). Wenden sich die Medien schliesslich von diesem Museum ab, schreibt der PR-Terminator böse Briefe. Wirft ihnen vor, dass sie ihre Rolle nicht wahrnehmen. Und der Journalist antwortet: Nun ja, das ist halt auch schwierig ohne Informationen...

(Bild: Still aus "The Terminator")

Freitag, 4. April 2014

Museumspersonal im Fokus XI: Die Audioguide-Flüsterin



Sie (natürlich auch möglich: er) bringt ein abgeschlossenes Studium der Kunstgeschichte mit, vorzugsweise mit mehrjähriger Berufserfahrung in einem Kunstbuch-Verlag oder als Verfasserin von Katalogstexten, aber mit der erotischen Stimme einer 22-jährigen Studentin nach einer durchzechten Nacht. Wochenlang muss sie sich durch kunsthistorische Wälzer lesen und das Erlernte schliesslich in zwei knackigen, allgemein verständlichen und Wikipedia tauglichen Sätzen zusammenfassen. Bei Wikipedia abschreiben darf sie nicht, das würde ihr Honorar nicht legitimieren, das ihr zwei vollständige Mahlzeiten garantiert. Dankbar, unselbstständigen Museumsgängern mit ihren Audioguide-Texten zu etwas Erleuchtung verholfen zu haben, legt sie später eine kometenhafte Karriere bei einem Lokalradio hin. Dort darf sie auch mal bei Wikipedia abschreiben.

Dienstag, 21. Januar 2014

Museumspersonal im Fokus X: Die Schal-Halterin


Nein, wir haben unsere Rubrik Museumspersonal nicht vergessen! Hier wieder einmal ein Beitrag. Obwohl es sich bei der blonden Dame links im Bild streng genommen nicht um eine Museumsmitarbeiterin handelt. Sie ist von der Londoner Tube angestellt und ist bei der Station King's Cross tätig. Ihr Aufgabenbereich? Touristen bei der Harry-Potter-Skulptur den Schal halten, damit die Besucher auf dem Erinnerungsfoto aussehen, als ob sie tatsächlich durch die Wand fliegen - wie unser Lieblingszauberlehrling. Wie erfüllend dieser Beruf ist, haben wir nicht herausgefunden. Dafür haben wir die passende Gelegenheit gefunden, diese lustige Video zu posten. Viel Spass:


Samstag, 27. Juli 2013

37 Grad? Ab ins Museum!


Heute soll also das Thermometer so hoch klettern wie an keinem anderen Tag im Jahr. 37 Grad verspricht der Wetterfrosch und rund um die Kultussen schmieden alle emsig Pläne. Die einen wollen an die Aare, die anderen in die Badi, wieder andere an den Thuner- oder Bielersee. Und alle stöhnen sie: Das ist mir zu heiss, ich brauche Abkühlung!
Warum kommt eigentlich keiner auf die Idee, am heissesten Tag ins Museums zu gehen? Vor der Sonne fürchten sich ja mittlerweile eh alle und wer mag schon schwitzen. Fünf Gründe, warum gerade heute der perfekte Museumstag ist:

1. Im Museum ist es IMMER angenehm temperiert.
2. An Sommertagen hat es wenig Besucher und man kann so lange vor einem Bild ausharren, wie man möchte
3. Das Personal ist sommerlich entspannt, da es entweder gerade aus den Ferien zurück ist oder gleich losjetten wird. Vielleicht darf man heute also sogar seine Handtasche mit in den Ausstellungsraum nehmen
4. Nur in einen dünnen Fetzen gehüllt, braucht man für einmal kein Garderobenfach zu mieten - was auch bedeutet, dass man für einmal keinen Schirm in der Garderobe vergessen wird (Museen könnten schon ganze Installationen schaffen aus all den Schirmen, welche die Kultussen in den letzten Jahren liegen gelassen haben...)
5. Auch in Berner Museen kann man den Sommer geniessen: Auf einem Spaziergang rund ums Zentrum Paul Klee etwa oder bei einem Kaffee im Hof des Museums für Kommunikation.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Museumspersonal im Fokus IX: Der Social-Multi-Media-Manager


Alle sprechen vom digitalen Zeitalter. Auch die Museen. Websites sind längst passé, Facebook- und Twitter-Accounts müssen her. Das Kommunikationspersonal muss nicht mehr nur zum Telefonhörer greifen und in die Computertastatur hauen, plötzlich sind ganz andere Fähigkeiten gefragt: Kurznachrichten für Tweeds und Statusaktualisierungen verfassen, Fotoaufnahmen für Flickr oder Picasa bearbeiten – und natürlich auch Videoaufnahmen machen, schliesslich lautet das Zauberwort dieser Tage „Multimedia“. Da können Worte und Bilder natürlich nicht mehr mithalten und plötzlich mischt sich ein Museumsregisseur an der Medienkonferenz unter die Journalisten, an der Vernissage unters Publikum und während Führung unter die Teilnehmer. Aussagen von Kunstschaffenden, Direktoren, Kuratoren, Ausstellungsführern, begeisterten Besuchern werden eingefangen, geschnitten – und schliesslich gepostet. Als Podcasts fürs mobile App, oder auch einfach nur für die (auch schon fast wieder veraltete) Facebook-Seite. Kein Wunder, schaffen zahlreiche Museen für diese vielseitigen Anforderungen eigens Stellen. Social Media Manager werden gesucht. Und welche Qualifikationen müssen sie mitbringen? Ein Nerd sein. „Diabolo III“ unter zehn Stunden spielen können. Schneller SMS tippen, als andere das Wort „Social-Multi-Media-Manager“ aussprechen können. Ja, so ist das im digitalen Zeitalter. Plötzlich hat es sich ausgezahlt, in der Schule der Aussenseiter in Manchesterhosen gewesen zu sein.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Museumspersonal im Fokus VIII: Die Assistenzsassas

Der Weg zum Erfolg ist entbehrungsreich, oder wie lautet noch mal das Sprichwort? Auf Assistenzkuratoren trifft es jedenfalls zu: Zuerst leben sie für das Studium, später für die Dissertation, und zehren während zehn Jahren entweder vom Geld der Eltern oder vom Einkommen aus Kellnerjobs oder Assistenzstellen für cholerische Professoren. Dann, wenn sie über dreissig Jahre alt sind und ihre Freunde aus Schulzeiten bereits das Eigenheim bezogen und eine dreiköpfige Familie gegründet haben sowie zum mittleren Kader aufgestiegen sind, bewerben sie sich für ihren ersten richtigen, unterbezahlten Job. Dieser führt nicht selten in ein kleines Museum, wo sie sich zwar mit dem Titel „Assistenzkurator“ brüsten können, aber so wenig mit Ausstellungsprojekten zu tun haben, wie ein Florist mit der Urwaldaufforstung: Sie koordinieren Presseanfragen, besorgen den Wein für die Vernissagen, erledigen Botengänge, kontrollieren, ob die Bilder gerade hängen, und verhätscheln die exzentrischen Kunstschaffenden. Schliesslich, wenn sie sich die Sporen genug abverdient haben, dürfen sie endlich richtig kuratieren – und zusehen, wie ihre Vorgesetzten an den Vernissagen die Lorbeeren ernten.

Mittwoch, 18. April 2012

Gesucht: Museumswärter

Kommentare auf öffentlichen Newsplattformen spiegeln den Zustand der Gesellschaft, sind die Kultussen überzeugt. Der aktueller Beitrag eines Newsnetz-Lesers zeigt, was diese Gesellschaft von Museumsbesuchern hält: Nichts. Sie hält das kunstinteressierte Publikum für einen Haufen wilder Tiere, dem Einhalt geboten werden muss. Nur so ist zu erklären, warum Museumsaufsichten zu gut Deutsch Museumswärter genannt werden :-)


Für jene, die den ganzen Beitrag lesen wollen: Hier gehts zum Artikel (der übrigens nichts mit Kunst zu tun hat).

Donnerstag, 29. März 2012

ZPK: Üppige Ausstellung en miniature

Ist das etwa eine Kopie vom Lischetti-Brunnen aus der Berner Postgasse? Nein, es ist eine Leiter im Zentrum Paul Klee. Dort wird zurzeit noch die Ausstellung "L'Europe des esprits" fertiggestellt.


Mit prächtigen Bildern von Johann Heinrich Füssli, Caspar David Friedrich, Ferdinand Hodler,  Auguste Rodin und unbekannteren osteuropäischen Künstlern wie Boleslas Biegas oder Mikalojus Konstantinas Čiurlionis begeistert die Ausstellung, die sich der "Magie des Unfassbaren" widmet, wie der Untertitel verrät.

Besonders angetan war die Kultusse allerdings von einer Installation, die sich bei genauem Hinsehen als Nicht-Kunstwerk entpuppte:


Es handelt sich um einen Ausstellungsplan, auf dem die Techniker kleine Ausdrucke der Werke arrangiert haben, damit sie wissen, wo was hängt. Wir würden gerne mal eine Ausstellung mit solchen Plänen sehen, Bühnenmodelle werden schliesslich auch längst als kleine Kunstwerke betrachtet!

Ausstellung: bis am 15. Juli, Vernissage: 30. März um 18 Uhr, Zentrum Paul Klee.

Samstag, 28. Januar 2012

Kursangebot für unfreundliche Empfangsdamen

Wir halten gerade das aktuelle Kursprogramm vom Internationalen Museumsrat in den Händen:


Eine Ausbildung fällt uns besonders auf:


Sollte ein "professionelles Auftreten von Aufsicht und Empfangspersonal" nicht ausschlaggebend dafür sein, ob jemand einen entsprechenden Job bekommt oder nicht? Nun ja, vielleicht genügen zum Teil schon gute PC-Kenntnisse und Teamfähigkeit...

Mittwoch, 11. Januar 2012

Museumspersonal im Fokus VII: Der Metal(l)-Techniker

Er sieht aus, als komme er von oder ginge gleich an ein Metal-Konzert, dabei ist sein Arbeitsbereich Metall, Holz, Kabel und Farbe: der heavy Museumstechniker - wir verzichten hier aus offensichtlichen Gründen auf die weibliche Form (dafür trägt dieses Museumspersonal auch gerne mal die Haare lang). Kunst findet er interessant, vor allem dann, wenn sie in Form einer verstaubten VHS-Kassette, einer 10'000-teiligen Installation oder einem frei im Raum schwebenden Rahmen daher kommt. Stundenlang tüftelt er an Ideen, wie er die Kabel von der Videoinstallation im Boden oder an der Decke verschwinden lassen kann, mit welchem Trick sich auch das grösste und schwerste ausgestopfte Tier mühelos an der Museumsdecke aufhängen lässt und welche Skulptur auf welchem Sockel am besten zur Geltung kommt – auf Sockeln, die er auch gleich selbst herstellt natürlich! Nicht selten greift er dafür auf Werkzeug zurück, das er zuhause fein säuberlich geordnet hortet. Denn auch wenn sein Haar zerzaust ist, dieser Herr hält strickte Ordnung wenn es um Stecker, Nägel und Holzlatten geht. Und es gibt etwas, was er über alle Massen liebt, was er anbetet und für jede Gelegenheit immer, aber auch immer mit sich herum trägt: DUCK TAPE, hierzulande schlicht Gaffa. Gaffa ist sein Aspirin, sein Windex, mit dem er nach der Arbeit auch einfache Knochenbrüche bei Haustieren behandelt, mit dem er Notizen für die Liebste am Kühlschrank befestigt und mit dem er sich den Garderobenschlüssel im Hallenbad auf die Brust klebt.

Montag, 3. Oktober 2011

Museumspersonal im Fokus VI: Der Detailprediger

Es gibt Leute, die schwören auf sie, andere würden sich nie im Leben darauf einlassen: eine Museumsführung. Nach gefühlten 1000 Führungen sind sich die Kultussen einig: Wenn jene Person, die durch die Ausstellungsräume lockt, viel weiss und dieses Wissen konsumgerecht vermitteln kann, lohnt sich ein entsprechender Rundgang. Auf einem solchen kann aber auch vieles schief laufen. Zum Beispiel, wenn die Besucher nur abgedroschene Floskeln zu hören kriegen, die sie genauso gut einem 5-Franken-Künstlerbiografiebüchlein aus dem Ex Libris entnehmen könnten. Oder wenn zu leise oder zu schnell gesprochen wird. In unserem heutigen Beitrag gehen die Kultussen aber auf eine andere Spezies der Kunstvermittler ein: den Detailprediger und die Detailpredigerin. Sie schaffen es, selbst eine Führung, die nur an zehn Bildern vorbeiführt, auf einen deistündigen Besuch auszubauen. Zu jedem. Einzelnen. Bild. haben sie etwas zu sagen: zum Stil, zum Sujet, zur gesundheitlichen Situation des Künstlers, als er das Bild gemalt hat. Zu dessen familiären Situation. Zur Beschaffenheit des Pinsels. Zur Zusammensetzung der Farbe. Und - dann, wenn die Besucher glauben, zum nächsten Bild schreiten zu können - holt der Detailprediger aus und erklärt auch noch, was alle anderen Künstler zur selben Zeit in ihren Ateliers gemalt haben - und mit welchen Pinseln und Farben und Frauen und Modellen und Drogen und Katzen und - ups, jetzt haben wir doch glatt den Faden verloren. Zurück zum Detailprediger: Eine solche Führung könnte trotz allem gut gelingen, dann nämlich, wenn kurze Pausen eingeplant wären. Ein kleiner Snack zwischen Raum eins und zwei, ein Kaffee zwischen Raum zwei und drei, hie und da mal absitzen... Da dies meistens nicht der Fall ist, verlor eine Kultusse schon mal das Bewusstsein im Museumsraum und musste dann mit Orangenjus aufgepeppelt werden (an dieser Stelle ein lieber Dank an das Cafeteriapersonal). Zu viel Wissen führt eben zu Ohnmacht.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Im Fokus Art Basel Spezial: Neureiche Messebesucherinnen

Blondiert, gebotoxt und auf spitzen Highheels balancieren diese mittelalterlichen Messebesucherinnen durch die Art Basel, begleitet von ihren vermögenden Ehemännern. An ihren auf St. Barth gebräunten Handgelenken baumeln Golduhren und über den Brüsten pendelt ein glitzernder Stein – bei dem es sich nicht etwa um einen Swarovski-Kristall sondern um einen echten Diamanten handelt. Ihr ganzes Outfit, das sie sich für den Preview-Tag im Juni extra gekauft haben, kostet mehr Geld, als ein einfacher Arbeiter in einem Jahr verdient. Mit den zugespitzten Fingernägeln zeigen sie auf Galeriestände, während der Ehegatte den Art-Katalog balanciert, in dem sein Investment-Berater bereits jene Werke angekreuzt hat, welche die höchste Gewinnmaximierung versprechen. Und Achtung: Die Prada-Handtasche dient nicht nur zum Verstauen der Gold Card. Auch als Waffe kommt sie zum Einsatz, um andere Messebesucher mit einem unsanften Stoss aus dem Weg zu Räumen. Denn diese Frauen weichen nicht aus. Niemandem.

Dienstag, 10. Mai 2011

Museumspersonal im Fokus V: Der PR-Künstler

Es ist schwierig, über sein eigenes Oeuvres zu sprechen. Einigen Künstlern fällt es leichter, anderen hingegen schwer. Statt grosse Interviews zu führen, ziehen es Journalisten im zweiten Fall vor, Porträts oder Ausstellungskritiken zu schreiben, während Künstler, die viel und gerne berichten, auch schon mal interviewt werden. Es gibt aber auch eine dritte Gattung: Jene Kunstschaffenden, die sich jeglicher Aussage zu ihrem Schaffen verweigern – es sei denn, sie eröffnen bald eine Ausstellung. Dann werden sie plötzlich zu PR-Managern in eigener Sache, bombardieren die Redaktionen mit Pressemappen und rufen täglich an, um nachzufragen, ob denn nun bald ein Artikel erscheint (und wenn die Antwort nein lautet, schieben sie dies nicht selten der „Inkompetenz“ der Journalisten zu). Ist die Ausstellung zu Ende, gibt sich dieser Kunstschaffende wieder unerreichbar. Wenn ein Journalist dann doch die Kühnheit besitzt, beim Galeristen nachzufragen, ob der Künstler zu einem bestimmten Thema Auskunft geben möchte, hört er nicht selten: „Nein, aber er/sie meldet sich dann wieder bei Ihnen, wenn eine aktuelle Ausstellung ansteht.“

Samstag, 2. April 2011

Museumspersonal im Fokus IV: Der Vampir




Er ist bleich und gut gekleidet. Obwohl er an vielen Events und Vernissagen aufkreuzt, ernährt er sich nicht von Häppchen und Champagner: Er saugt lieber Menschen aus. Meist aus einem spiessigen kunstfernen Elternhaus stammend hat er es beinahe bis ganz nach oben geschafft. Die Vergangenheit hat er hinter sich gelassen, die eigenen Eltern ruft er noch ungefähr einmal pro Jahr an. Er ist Kurator oder Galerist und manchmal auch nur administrativer Mitarbeiter einer wichtigen Institution. Die Kunstwelt bietet ihm das Gefühl Teil einer Elite zu sein und das ist für ihn existenziell. Er steht  kurz vor der Schwelle zum endgültigen Ruhm oder glaubt dies zumindest. Er weiss mit sicherem Instinkt des Blutsaugers, bei wem es etwas zu holen gibt und spricht nur mit potentieller Beute, sprich mit Leuten, die hierarchisch über ihm stehen. Einmal Blut geleckt saugt er alles in sich auf, was sein Opfer hergibt und übernimmt einen winzigen Teil dessen Persönlichkeit. So gewinnt er Schritt und Schritt an Ansehen. Er ist diszipliniert, denn Alkohol würde seinen klaren Verstand trüben, den er braucht, um zu riechen, wo es etwas auszusaugen gibt. Sex hat er mit Männern wie Frauen aber nur wenn er sich damit eine Blutauffrischung verschaffen kann. Einziger Exzess: Vor ganz wichtigen Veranstaltungen zieht er sich ein wenig Koks rein um seine Verklemmtheit (er wurde als Kind wegen seinen spitzen Zähnen gehänselt) zu kaschieren. Falls er einmal schläft träumt er immer dasselbe skurrile Szenario: Er leckt Matthew Barney die Schuhe ab bis diese so sehr glänzen, dass er sich darin Spiegeln kann. Dann beisst er dem Starkünstler unverhofft in die Wade und saugt.







Freitag, 1. April 2011

Museumspersonal im Fokus III: Der Namedropping-Kurator

Dieser Ausstellungsmacher prahlt gerne mit seinem Wissen über die wichtigsten Köpfe unserer Zeit. Er verwickelt Sie in ein Gespräch über Adorno und weisst darauf hin, dass er Bloch noch gekannt hat. Damals, als die Truppe noch mit Meret im Adler verkehrte, und auch Markus noch oft dort anzutreffen war. Von Habermas hält er viel, aber mehr noch von Sartre (Von Simone weniger, die ist ihm zu radikal). Er arbeite gerade an einer Ausstellung zu Roth, dabei findet er Wiggli bedeutender. Oder umgekehrt. An Rodin kommen sie jedenfalls beide nicht heran. „Das jedenfalls sagt Sabine, die kennen Sie doch auch, nicht wahr?“ Sie nicken. Sabine? Noch nie gehört. Mit einem dröhnenden Kopf verabschieden Sie sich. Wie der Kurator heisst, haben Sie längst vergessen.

Dienstag, 22. Februar 2011

Museumspersonal im Fokus II: Übereuphorische PR-Leute

Diese Presseleute schicken in der ganzen Welt Mitteilungen herum, die zur Ausstellung des „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“ laden. Beim Lesen kommen Sie sich dumm vor, denn Sie haben noch nie von dem Künstler gehört. Auf Wikipedia (das Sie zwar benützen, es in der Öffentlichkeit aber niemals zugeben würden), finden Sie einen kleinen Eintrag zum „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“. Er lässt Sie ratlos zurück. Zur Sicherheit rufen Sie die Presseleute an. Diese zeigen sich schockiert, dass Sie noch nie etwas vom „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“ gehört haben. Jetzt kommen Sie sich noch dümmer vor und studieren die Künstlerbiografie, die Ihnen die Presseleute mitgeschickt haben. Ganz viele Ausstellungen hatte der „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“, in Museen und Galerien weltweit – sagen tut Ihnen aber keine der Institutionen etwas. Verunsichert gehen Sie zur Ausstellungseröffnung. Die Werke des „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“ vermögen Sie so gar nicht zu begeistern. Ratlos verlassen Sie das Museum. Auf dem Weg nach draussen geben Ihnen die Presseleute noch die Einladung für die nächste Ausstellung mit. Diese wird Werke des „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“ präsentieren.

Sonntag, 13. Februar 2011

Museumspersonal im Fokus I: Das Argusauge

Wie eine Gefängnisaufseherin schiebt sie Aufsicht – oder besser: schiebt Wache. Vor Betreten der Ausstellung misst sie genau nach, ob Ihre Handtasche nicht fünf Millimeter zu lang ist. Auf Ihr Bitten, ein Auge zuzudrücken, geht Sie nicht ein und schickt Sie stattdessen zurück zu den Schliessfächern. Sind Sie erst einmal im Museumsraum angelangt, lässt sie Sie keinen Moment aus den Augen – was ihr nicht sonderlich schwer fällt, denn mit grosser Wahrscheinlichkeit sind Sie um diese Uhrzeit der einzige Besucher. Beugen Sie sich etwas vor, um ein Gemälde aus der Nähe zu betrachten, räuspert sie sich. Die erste Warnung. Verharren Sie weiter in Ihrer Haltung, tritt sie näher an Sie heran, wobei ihre Absätze drohend hallen. Die zweite Warnung. Bleiben Sie weiter vor dem Bild stehen, fordert Sie die Aufsicht auf, einen Schritt zurück zu treten. Die letzte Warnung vor der Museumssperre. Der Erklärungsversuch „Aber ich habe das Absperrband nicht einmal berührt“, nützt nichts. Ihr Blick habe sich zu nah an das Bild herangewagt, verrät Ihnen der Gesichtsausdruck der Aufseherin. Spätestens ab jetzt folgt sie Ihnen auf Schritt und Tritt. Ihre Atemfrequenz steigt an, während Sie hastig von Bild zu Bild eilen – immer verfolgt von den penetrant hallenden Absätzen. Tock – tock – tock. Das Geräusch jagt Sie durch die Räume, bis Sie schliesslich den Ausgang vor Augen haben. Beschützend umflutet Sie das Neonlicht in der Empfangshalle. In aller Ruhe können Sie sich dort die ausgestellten Gemälde zu Gemüte führen – bei der Lektüre des Ausstellungskatalogs.

PS: Selbstverständlich gibt es von dieser Sorte in der freien Museumswildbahn auch männliche Exemplare!