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Dienstag, 16. Dezember 2014

Das Bild des Tages...


...zur Wahl der ersten Direktorin der Kunsthalle Bern, Valérie Knoll.

Dienstag, 25. November 2014

Gurlitt, der Bildbeweis!


Nur so zum Beweis: wir waren auch an der Berliner Pressekonferenz, im Fall. Auf den Bilder seht ihr unsere Aussicht (zwei Mal gerade aus und einmal nach oben). Mehr gibts zum Gurlitt-Erbe nicht zu sagen, ihr wisst ja eh schon alles aus der Presse.

Dienstag, 18. November 2014

Samichlous an Gurlitts


Lieber Samichlous (nicht der Mann auf dem Bild),

wir wissen, dass wir etwas früh dran sind, aber unser Wunsch sollte unbedingt asap erfüllt werden: Bitte sorge dafür, dass sich die Hinterbliebenen von Cornelius Gurlitt einig werden, was sie eigentlich wollen. Ergo: Möchten sie im Alter von 90 Jahren noch die Verantwortung über eine umstrittene Kunstsammlung übernehmen? Wollen sie nicht einfach mal in Ruhe den Entscheid des Kunstmuseums Bern am 26. November abwarten, ob es denn das Erbe überhaupt antreten will oder nicht? Denken sie wirklich, es lohnt sich, Geld für Gutachten auszugeben, wenn sie dann doch aufgrund der Resultate keine Einsprachen erheben wollen?

Wenn dieser Wunsch zu umständlich ist, kannst du auch einfach die Zeit auf den 26. November vorstellten, damit wir endlich wissen, wie es im Fall Gurlitt weitergeht.

Danke vielmals & herzlich,
die Kultussen

PS: Um dich wohlwollend zu stimmen, hier noch ein Värsli:

Samichlous, du liebe Maa,
Gäu mir müesse ke Ruete ha?
Hei ds ganze Jahr viu gmacht
Für das sötts gä e Yacht (Grittibänz reimt sich leider nicht)

Alte Artikel zum Thema hier und hier.

Samstag, 25. Oktober 2014

Sind Leichenbilder ok?

Liebe Kunstfreunde,

lasst uns für einmal über etwas Ernstes reden. Die aktuelle Kunstmuseumsausstellung "Im Hier und Jetzt!" zeigt auf dem Ausstellungsplakat eine Fotocollage von Thomas Hirschhorn. Diese besteht zur Hälfte aus dem Abbild eines Supermodel, zur anderen aus dem Bild eines erschossenen Kriegsopfers. Nun erreichte uns folgender Leserkommentar:

"mich kotzt das ausstellungsplakat an. jeden tag mit zwei kleinkindern an der liegenden tussi vorbei, geht halt nicht anders, das blöde plakat hängt vor unserr tür, darunter die leiche im dreck mit loch im kopf. typische belehrungsäfferei vollgefressener europäer mit sattekel an der gesellschaft, und dabei sicher noch hochsubventioniert. und meine kinder müssen sich das im öffentlichen raum ansehen. man merkt eben, dass manche "kuratoren" doch eher verantwortungslos sind. dabei ist ja nichts auszusetzen, wenn solches grauen halt im museum gezeigt wird - abr auf plakaten ist das echt superdaneben."

Der Ton ist etwas wutbürgerlich, aber die Frage, die unser anonym bleiben wollender Leser oder Leserin aufwirft, ist tatsächlich eine Überlegung wert: Sollte ein solches Kunstwerk im öffentlichen Raum zugänglich gemacht werden, während zum Beispiel Massenmedien dem Kodex folgen, keine Leichen abzubilden (und wenn sie es wie im Fall Saddam Hussein doch tun, löst dies eine riesige Ethik-Debatte aus)?

Wir würden uns über eine fruchtbare Diskussion in den Kommentaren oder auf Facebook freuen, zu der natürlich auch oder gerade Kuratorinnen und Kuratoren eingeladen sind. Aber bitte ohne wutbürglichen Ton. Als Diskussionsgrundlage hier besagtes Plakat:

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Sprengstoff: Gurlitt und die Rakete


Wie das Kunstmuseum Bern heute bekannt gab, fällt es am 26. November den Entscheid, ob es das Gurlitt-Erbe annehmen will oder nicht (wir erinnern uns). Je nachdem, wie die Antwort in Bezug auf die millionenschwere, aber wegen Raubkunst-Verdacht umstrittenen Kunstsammlung ausfallen wird, dürfte der Museumsentscheid für medialen Sprengstoff sorgen.

Ist dies der Grund, warum an der Fassade des Museums bereits heute eine Rakete baumelt? Nein, die Arbeit "Booby Trap" von Luc Mattenberger macht natürlich subtil Werbung für die Ausstellung Schweizer Gegenwartskunst "Im Hier und Jetzt!", die am 23. Oktober startet.

Sonntag, 24. August 2014

#acrylchallenge for kunsthalle bern


Die Kunsthalle Bern sucht ja einen neuen Chefkuratoren und wir haben an dieser Stelle schon mal unseren Wunschkandidaten skizziert. Nun ist es so, dass sich der Stiftungsrat einen Direktoren wünscht, der möglichst viele Sponsoringgelder auftreiben kann. Das ist bekanntlich gar nicht so einfach - ausser natürlich, man (oder in diesem Fall: die Kultussen) hat eine Idee, wie man via Social Media das Kunsthalle-Budget gehörig aufstocken kann. Tataa: Wir rufen wir an dieser Stelle die Acrylchallenge ins Leben!

Die Spielregeln sind, analog zur Ice Bucket Challenge, äusserst einfach: Man übergiesse sich mit Acrylfarbe und spende 10 Franken an die Kunsthalle. Als Beweismittel muss mein ein Video von der Challenge ins Netz stellen. Nur, wer dies getan hat, darf über Facebook weitere Freunde oder Bekannte nominieren und somit zur #acrylchallenge auffordern. Wer sich verweigert, muss (oder besser: darf) 100 Franken überweisen. Das Ganze sollte dann etwa so daherkommen:



Und jetzt ran an die Farbkanister!

Freitag, 22. August 2014

Unser Wunschkurator


Fabrice Stroun verlässt auf Ende Februar 2015 die Kunsthalle Bern – nach nur drei Jahren Regentschaft. Somit ist er eine Art Papst Benedikt unter den Kunsthalle-Direktoren, die ja eigentlich auf sieben Jahre gewählt werden (auch wenn er im Gegensatz zum Papst wohl nicht ganz freiwillig zurücktritt). Der Stiftungsrat muss sich nun also auf die Suche nach einem neuen Kuratoren machen. Hier wäre unser Anforderungskatalog:

1. Eine Frau. Keine Sorge, das ist kein Schrei nach Quote. Aber die Kunsthalle Bern war noch nie in ihrer Geschichte in Frauenhand. Natürlich wollen wir die bestmögliche Wahl für die Leitung, aber seien wir mal ehrlich: In fast 100 Jahren eignete sich wirklich nie eine Frau besser als ihre männlichen Mitbewerber? Eben.

2. Jemand, der die Kunsthalle zum Experimentierfeld macht. Gegenwartsausstellungen macht heute ja jeder. JEDER. Darum dürfte die Kunsthalle ruhig wieder etwas verrückt spielen und nach neuen Kunstvermittlungs-Formen suchen, die sich vom Angebot der Galerien und Gegenwartsabteilungen der Kunstmuseen abheben.

3. Ein Kurator, beziehungsweise eine Kuratorin, der die folgenden Sätze umgeht: „Die Kunsthalle Bern hat eine internationale Ausstrahlung“, „Es wird schwierig, dem Erbe Harald Szeemanns gerecht zu werden“, „Die Kunsthalle hat eine ganz andere Agenda als ein Gegenwartsmuseum“. Nicht etwa, weil wir finden, dass diese Aussagen falsch oder doof sind – aber wenn sie zutreffen, muss man sie nicht ständig betonen.

4. Jemand, der Politiker nicht zu ernst nimmt. Sein Publikum aber schon.

5. Jemand, der irgendeine Sprache spricht. Stroun geriet in die Kritik, weil er schlecht bis nie Deutsch sprach, und stets bei Französisch oder Englisch blieb. Also wenn die Kunsthalle – wie sie ja selber gerne betont – eine solch internationale Ausstrahlung aufweist, sollte das kein Problem darstellen. Und wenn die Ausstellungen überzeugen, ist es uns nun wirklich piepegal, wie der Kunsthalle-Direktor spricht. Äh, die Direktorin, meinen wir natürlich!

Donnerstag, 24. Juli 2014

Einmal eine Jutta Koether, bitte!


Wir lieben Bücher. Kunstbücher. Aber unser Platz im kleinen Wohnzimmer ist beschränkt, denn solange unser Blog nicht täglich eine Million Besucher verzeichnet (das darf jetzt durchaus als Aufforderung verstanden werden), wird das wohl nichts mit dem Wohlhabend-Werden, und entsprechend auch nichts mit der hauseigenen Bibliothek.

Darum gehören wir zu jener Gattung Stadtbewohner, die regelmässig Kisten mit Krims und Krams und eben Büchern auf die Strasse stellen; ins Bermudadreieck des Breitenrain-, beziehungsweise Länggassquartiers, wo die Sachen binnen Minuten verschwunden sind, ohne dass unsere wachsamen Augen jemanden hätte vorbeischleichen sehen. 

Besonders beliebt scheinen schöne Kunstbildbände, Monografien zu Dali, Munch & Co., und selbst kunsthistorische Fachliteratur findet schnell ein neues Frauchen oder Herrchen. Nur eine Publikation, die scheint nicht an die Passanten zu bringen: Eine Monographie von Jutta Koether, die wir anlässlich der Ausstellung der deutsche Künstlerin in der Berner Kunsthalle im Jahr 2007 erhalten haben.

Hm. Warum mag niemand Jutta Koether? Klar, die sperrige Post-Punk-Kunst aus den Neunzigerjahren ist nicht so geschmeidig wie eine Mohnblumenlandschaft, aber bitte! Man muss sich das Buch ja nicht über die Badewanne hängen, sondern lediglich ins Bücherregal stellen. Sind wir denn schon so weit, dass auch Kunst nicht mehr anecken darf? Ähnliche Trends beobachten wir ja mit Argwohn in anderen Kultursparten. So bemerkten wir etwa am diesjährigen Gurtenfestival: Die Jungen von heute (genau, die, sehr konkret) mögen lieber geschmeidig-unschuldige Klänge von den Mighty Oaks als ein sperriges Elektrogewitter aus den Neunzigern (The Prodigy, Massive Attack).
Apropos Gewitter, 2007 veranstaltete Koether in der Kunsthalle eine Konzert-Performance. Damals schrieb die zukünftige Kultusse in ihrem Stammblatt:

Dann erfüllt ein dumpfer Klang den Raum. Und gleich noch einer, wie ein Donnern. Als wäre ein Gewitter unter der Decke hereingebrochen, als wären Koethers schwarze Gemälde an den Wänden Gewitterwolken. Immer wieder schlägt Gordon mit der Hand aufs Mikrofon. Es kommen weitere Klänge hinzu – das leise Summen Gordons, ihr Schnauben. Dann pfeift sie ins Mikrofon, während Koether auf dem Keyboard zu spielen beginnt. Keine Pianotöne, synthetische Töne, die sich mit Gordons Stimme vermischen. Der Takt wird schneller, die Melodie wilder – die Künstlerinnen spielen mit ganzem Körpereinsatz, richten sich auf, stehen einander gegenüber, als wäre es kein Duett, sondern ein Duell.“

Wir hoffen, dass die Monographie doch noch einen Abnehmer findet. Interessierte können sich ja in den Kommentaren zu Wort melden (sie ist in gutem Zustand, der pinkige Leuchtmarker hat allerdings hie und da zugeschlagen). Uns bleibt nichts anderes als zu hoffen, dass das Gespann Koether/Gordon nächstes Jahr am Gurtenfestival auftritt. Es wäre den Jungen (genau, denen) zu wünschen!

Freitag, 20. Juni 2014

AKT an ART


Bestimmt haben Sie obigen oder sonst einen Artikel über die Performancekünstlerin Miro Moiré gelesen, die versucht hatte, nackt die ART Basel zu besuchen (nachdem sie an der Art Cologne Eier gelegt hatte - genau, das ist die!). Wobei wir wieder bei dieser Frage wären. Antworten anyone?

(Screenshot: bernerzeitung.ch)

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Küchenpsychologie

Was haben Sie in Ihrem Kühlschrank? Und was sagt dies über Ihren Kunstgeschmack oder Lieblingsmaler aus?

In meinem Kühlschrank befindet sich:

Ein kalter Schinken, Eier, Fisch, Kaviar, Champagner, Milch, Vollrahm, ein halber Hirsch und eine Schwarzwäldertorte

Fazit: Sie mögen Peter Paul Rubens


Eine bereits arg ausgedrückte Tube Senf

Fazit: Wo eine Arte Povera Ausstellung läuft, sind Sie nicht weit


Butter, Erdbeermarmelade, Milch, Nidle

Fazit: Albert Anker ist ihr Gott


Nichts

Fazit: Die Gruppe Zero ist genau das, was sie anspricht


Ich habe gar keinen Kühlschrank

Fazit: Sie sollten sich der Konzeptkunst zuwenden


Guten Appetit!

Samstag, 30. November 2013

5 Sternchen für die Kunst


Folgender Vorschlag hat uns kürzlich zum Grübeln gebracht: Medien sollten doch Ausstellungsbesprechungen mit Sternchen-Bewertungen versehen. Zum Beispiel fünf Sterne für sehenswerte Ausstellungen, ein Stern für wenig überzeugende Schauen.

Warum dieser Vorschlag bei uns so nachhallt? Obwohl wir augenblicklich in der Lage wären, neue Filme, CDs oder Bücher mit Sternchen zu versehen, fällt uns ein einschlägiges Urteil nach Ausstellungsbesuchen schwer. Darum haben wir mal einen Fragekatalog zusammengestellt - quasi eine Checkliste für Ausstellungskritiker. 


Der 5*-Block. Wer die meisten dieser Fragen mit "JA" beantworten kann, darf einer Ausstellung zwischen 3-5 Sterne verleihen:

- Beschäftigt Sie die Ausstellung auch noch Tage/Wochen/Monate später?
- Denken Sie immer mal wieder an ein bestimmtes Werk zurück, dass Ihnen besonders aufgefallen, beziehungsweise eingefahren ist?
- Laufen Sie immer wieder zwischen den Räumen hin und her, weil sie Vergleiche anstellen oder ein bestimmtes Bild nochmals sehen wollen?
- Die Kunst, die Ihnen erst überhaupt nicht zugesagt hat, erscheint Ihnen nach der Lektüre der Ausstellungserläuterungen auf einmal spannend?
- Setzen Sie sich gar auf eine Bank und verharren vor einer Arbeit?
- Regen Sie sich über die Besucher mit Audioguides auf?
- Sind Sie nach Raum Nummer zwei immer noch wach und nicht schon schläfrig?
- Haben Sie nach dem Museumsbesuch etwas gelernt?
- Haben Sie den Katalog gekauft?
- Haben Sie die Zeit vergessen?
- Planen Sie, sich die Ausstellung ein weiteres Mal anzusehen?
- Sie posten etwas zur Ausstellung auf Facebook oder Twitter?


Der 1*-Block. Wer die meisten dieser Fragen mit "JA" beantwortet, muss einer Ausstellung  1-2 Sterne verleihen:

- Sie sind in einer Retrospektive und haben das Gefühl, Sie könnten genausogut ein "Best of XY" aus dem Taschen-Verlag durchblättern?
- Sie sind in einer Gruppenausstellung, können aber nicht nachvollziehen, aufgrund welcher Kriterien die einzelnen Künstler ausgewählt wurden?
- Sie finden die Kunst auch dann nicht interessant, wenn Sie alle Erläuterungen dazu gelesen haben?
- Sie flirten mit der Ausstellungsaufsicht?
- Nicken Sie den Audioguides-Teilnehmern milde lächelnd zu?
- Bereits nach Raum Nummer zwei fallen Ihnen die Augen zu? 
- Haben Sie im Museumsshop einen Frustkauf getätigt - zum Beispiel eine Mondrian-Brosche oder ein Fächer mit Monets Seerosen drauf?
- Sie erinnern sich an die Wandfarbe, aber nicht an die gezeigten Werke?
- Sie löschen das Museum/die Galerien von ihrer Facebook-Freundesliste?

Mittwoch, 20. November 2013

Interview mit uns selbst


Am Montagabend waren die Kultussen zu Gast beim Gallery Talk des Verbands für Schweizer Galerien in der Galerie Christinger De Mayo in Zürich. Da die wenigsten unserer Leserinnen und Leser dabei sein konnten und damit unsere Ausführungen zum Bloggen verpasst haben (sowie das Buffet, siehe Bild), hier ein Interview mit uns selbst...

Samstag, 19. Oktober 2013

Rocker ziehen immer, Minimanias nur bei Mädchen


Bern spricht über Männerbilder. Wegen der neuen Ausstellung "Das schwache Geschlecht" im Kunstmuseum Bern. Es ist ein Thema, das in den Medien bereits breit aufgearbeitet wurde (auch von uns), und dem wir kaum noch etwas Bahnbrechendes hinzufügen können. Wir lassen einfach fünf Beobachtungen für sich sprechen, die wir in den letzten Tagen gemacht haben.

1. Ein neues Männerbild in Bern, beziehungsweise am Mani-Matter-Stutz. Immer, wenn dort ein Matter-Graffiti entfernt wird, taucht sogleich ein neues auf. Dieses Mal sieht es so aus:


2. Ville Valo von HIM im Zürcher Komplex 457. Androgyn, zutätowiert, bemützt - unbeschreibliches Charisma. Es ist einfach so: Rockmusiker ziehen immer.


3. Geschenkt bekommen: Schnäuze für den Strohhalm. Für den inneren Mann in uns allen:


4. Die Tante der Kultusse hat ganz, ganz viele Minimanias von der Migros vorbeigebracht. Weil sie der kleine Neffe nicht haben wollte. Offenbar spielen immer noch lieber Mädchen mit dem Chrämerlilade:


5. Die Kultusse hat zum ersten Mal einen Bar Fight miterlebt: Zwei Männer, zwei Mal wurde zugeschlagen, dann war sie Sache vorbei. Ohne blaue Augen. Nicht besonders spektakulär.


Ausstellung: bis am 9. Februar
(Bildquellen: Erstes und letztes Bild Kunstmuseum Bern.)

Dienstag, 8. Oktober 2013

Die Grösse ist entscheidend



Wenn nächste Woche die Ausstellung „Das schwache Geschlecht“ im Kunstmuseum Bern eröffnet, werden die von weiblichen Aktdarstellungen verwöhnten Besucheraugen zur Abwechslung mal wieder mit blutten Männern konfrontiert. In ihrem aktuellen Blogbeitrag thematisiert die Kuratorin Kathleen Bühler den Vorwurf, bei der Ausstellung handle es sich bloss um einen Vorwand, Männerakte auszustellen.

Dieser Vorwurf ist befremdlich. Spätestens nach einer Florenzreise sollte jedem klar sein, dass nackte Männer ebenso zur Kunstgeschichte gehören, wie die entblösste Frau. Trotzdem ist der Umgang mit dem nackten Mann befangener. „Die Simpsons“ widmeten dem Thema gar eine ganze Folge: Eine Ausstellung rund um Michaelangelos David endete in Zensur. An nackten Frauen in der Kunst stört sich hingegen kaum jemand, zumal die meisten Akte noch immer züchtiger daher kommen als der weibliche Cast von „Geordie Shore“.

Der Unterschied in der Wahrnehmung dürfte im biologischen Unterschied liegen: Auf den meisten Frauenakten ist das Intimste noch vor Blicken - Schamhaar sei Dank - geschützt. Ist dies nicht so, beispielsweise bei Gustave Courbets „L'origine du monde“, ist der Aufschrei mindestens so gross wie bei Darstellungen eines entblössten Glieds. Und auch dort gibt es Unterschiede: An den – verzeihen Sie den Ausdruck – Minipenissen der Renaissance scheiden sich die Geister heute weniger als an adäquaten Abbildungen. (Als ausgewachsene Exemplare 2012 Wiener Plakatwände zierten, um auf die Ausstellung „Nackte Männer“ im Leopold Museum hinzuweisen, waren es übrigens die Frauen, die Sturm liefen. Eigentlich verständlich, immerhin wissen die Männer ja, wie sie „unten rum“ aussehen...)

Ob lauter Aufschrei oder stille Verlegenheit: Die Konfrontation mit dem nackten Mann scheint heute gewöhnungsbedürftig und es ist gesellschaftlich eine interessante Frage, warum uns das Natürlichste manchmal so fremd erscheint. Ist diese Haltung anerzogen? Liegt es daran, dass wir heute die meiste Zeit über angezogen rumlaufen? Beziehungsweise daran, dass wir uns nackte Frauen aus den Medien gewohnt sind? Oder ist das männliche Geschlechtsorgan am Ende einfach doch nicht so schön anzuschauen? Antworten finden wir hoffentlich ab nächster Woche im Kunstmuseum Bern!

(Bild von Luis E. Melendez)

Montag, 7. Oktober 2013

Gegen die Herbstdepression im Atelier



Nicht alle mögen den Herbst. Vielen schlagen der Nebel, das frühe Einnachten und die Kälte aufs Gemüt. Auch Kunstschaffende werden plötzlich von lähmender Müdigkeit, mangelnder Motivation und Ideenlosigkeit heimgesucht. Fünf vollkommen ernst gemeinte Tipps gegen die Herbstdepression im Atelier:

1. Bleiben Sie am Ball, beziehungsweise am Pinsel. Auch wenn das warme Bett lockt und sie am liebsten den ganzen Tag vor dem Cheminée rumfläzen möchten: Arbeiten Sie jeden Tag, damit sie nicht in einen Kreislauf des Nichtstuns verfallen.

2.  Routine ist das A und O. Klar, Sie sind kein Beamter. Etwas Routine tut aber auch der Malerseele gut. Schaffen Sie eine Tagesstruktur und planen Sie Pausen fürs Essen ein.

3. Lächeln Sie! Den ganzen Tag malen Sie Dämonen, Moorlandschaften oder Fratzen? Dann ist es umso wichtiger, dass Sie ab und zu lächeln – selbst wenn es nichts zu Lachen gibt. Wissenschaftlich belegt ist nämlich längst, dass wir beim Lachen Glückshormone ausschütten.

4. Ab an die Staffelei! Frische Luft belebt den schwermütigen Geist. Darum ist jetzt die beste Gelegenheit, sich wieder einmal als Freiluftmaler zu betätigen und mit der Staffelei in eine herbstliche Landschaft zu ziehen.

5. Malen Sie grün. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Und der nächste Frühling kommt bestimmt.

(Bild: "Herbst" von Franz Gertsch, Quelle: museum-franzgertsch.ch)

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Samthandschuhe für den Kunstnachwuchs?


Vor acht Jahren besuchten wir die Ausstellung eines aufstrebenden, Kunst produzierenden Menschen und waren wenig begeistert von den Gemälden. Auf jedem Bild erkannten wir deutlich die Vorbilder der Kunstgeschichte und sagten dies auch. Unser Umfeld in der Kunstszene reagierte schockiert und meinte, man dürfe einen jungen Kunstmenschen nicht so kritisieren.

Vor wenigen Tagen sahen wir neue Gemälde dieses Menschen. Und noch immer sind es deutliche Kopien der kunsthistorischen Vorbilder. Wer da noch von Zitat statt von Kopie spricht, sollte in ein Land ohne Urheberrecht auswandern. Wirklich etablieren konnte sich XY nicht. Von Potenzial mag auch niemand mehr sprechen. Entsprechend enttäuscht ist XY.

Diese Ausgangslage stimmte uns nachdenklich: Muss man junge Künstlerinnen und Künstler tatsächlich mit Samthandschuhen anfassen? Würde es nicht allen kreativ arbeitenden Wesen dienlicher sein, wenn die Rückmeldungen von Anfang an ehrlich wären? Wir sind auch nicht gerade Meisterinnen im Einstecken von Kritik, aber rückblickend haben uns ehrliche Einschätzungen noch immer am weitesten gebracht. 

Gerade die Berner Kunstszene, die bei jeder Gelegenheit den Mangel an echter Kunstkritik beklagt, müsste vielleicht etwas ehrlicher werden, wenn ein aufstrebender Kunstschaffender auf der Schwelle steht...

(Bild: "Un coin du salon en 1880" von Edouard Joseph Dantan)

Samstag, 31. August 2013

Warum sind Performancekünstlerinnen schön?



Seit den Sechzigerjahren wehren sie sich gegen Rollenklischees, hinterfragen das Frausein, distanzieren sich vom Schönheitswahn der Film-, Musik- und Modebranche, halten uns den Spiegel vor – und wollen vor allem eins nicht: nur erotisch sein. Schliesslich sind sie Performancekünstlerinnen und nicht Playboy-Häschen.

Trotzdem fällt auf: Ein Grossteil der Performerinnen ist schön. Und schlank. Obwohl es ja gerade in dieser Sparte keinen Unterschied machen sollte, ob eine Künstlerin schwabbelige Oberschenkel oder Pickel hat.

Veto, werden Sie jetzt rufen. Und vielleicht Annie Sprinkle anno 2013 als Argument hervorholen. Aber googeln Sie die Sprinkle mal – dann werden Sie sehen, dass auch sie attraktiv angefangen hat. Von Hannah Wilke, Ana Mendieta, Valie Export oder Marina Abramović ganz zu schweigen.

Unsere Beobachtung trifft im Übrigen auch auf Performerinnen zu, bei denen Geschlechterfragen nicht im Zentrum stehen. Denken Sie mal an die Performerinnen aus der Schweiz, Lara Stanic oder Ka Moser zum Beispiel. Die eine jünger, die andere älter, beide schön (ja, ja, wir wissen, schön ist objektiv).

Den eigenen Körper für die Kunst zur Schau stellen, erfordert einiges an Selbstvertrauen. Vielleicht fühlen sich schöne Frauen einfach wohler in ihrer Haut und können diese entsprechend unbefangen zeigen. Womöglich hat aber auch Carolee Schneemann recht. Als sie 2008 in Bern auftrat und gefragt wurde, warum sie und ihre Berufskolleginnen schön waren, beziehungsweise sind, antwortete sie:

„Schöne Frauen erhalten mehr Aufmerksamkeit. Wir haben diese über unsere Körper auf unsere Anliegen gelenkt.“ Alles Femen, oder?

Samstag, 24. August 2013

I heart Kunsthalle



Es ist Wochenende und somit haben wir alle etwas Zeit, über die Kunsthalle Bern nachzudenken. Oder ihr sogar einen Besuch abzustatten, denn zurzeit läuft dort die Ausstellung der US-Künstlerin Virginia Overton. Nie gehört? Gut so, schliesslich ist es die Aufgabe der Kunsthalle, uns mit neuen Positionen der Gegenwartskunst zu überraschen.

Die Kunsthalle kontert aber nicht nur mit dieser exemplarischen Schau die politischen Forderungen, die Institution am Helvetiaplatz aus Spargründen zu schliessen. Letzte Woche schaltete sie die längst überfällige neue Website auf, die nun endlich bildschirmfüllend daherkommt. Internettechnisch hat die Kunsthalle also den Sprung von den – schätzen wir mal – Sechzigerjahren ins 21. Jahrtausend geschafft.

Überhaupt scheint der neue Leiter Fabrice Stroun die Stätte der Hochkultur, die lange genug ein eigenbrötlerisches Dasein im Schatten des historischen Museums geführt hat, zu öffnen. Die Kunsthalle partizipiert an der Aktion „Gratis ins Museum“, und am Donnerstag gabs eine gemeinsame Massenvernissage von Kunstmuseum Bern, Zentrum Paul Klee und Kunsthalle.

Während die Politiker den Sparkurs weiterverfolgen, diskutiert die Tagespresse über die Rolle der Kunsthalle im Zeitalter, in dem auch traditionelle Kunstmuseum im Gegenwartsbecken fischen. Eine Diskussion, an der sich Stroun nun mit einer schriftlichen Stellungnahme beteiligt. 

Gleichgültig, was am Ende rauskommt: Es ist erfreulich zu sehen, dass die Kunsthalle wieder einmal polarisiert, aufregt, anregt, Feuer entfacht, inspiriert – und schliesslich breit wahrgenommen wird. Und wer weiss. Wenn das so weitergeht und sich die hitzige Debatte auch im Programm widerspiegelt, vermag die Kunsthalle ja Bern tatsächlich wieder einmal auf die internationale Kunstkarte zu hieven.

PS: Wer seine Unterstützung für die Kunsthalle öffentlich kundtun möchte, kann auf der Kunsthalle-Website die Petition „Wir leisten uns eine Kunsthalle“ unterschreiben.

Montag, 12. August 2013

Von wegen nix los!


Zürcher, las man am Wochenende im "20 Minuten", sagen gerne von sich, dass sie arrogant seien. Berner, das lehrt und der Alltag, bemängeln hingegen gerne das kleine Kulturangebot - weshalb einige regelmässig am Wochenende ausfliegen zu den arroganten Zürchern (he, das sagen die Zürcher, nicht wir!). Doch nach einem mit Kultur vollgepackten Wochenende muss einfach wieder einmal gesagt sein: In Bern ist viel los! So viel, dass sich die Kultussen bekanntlich nicht einmal alle Ausstellungen ansehen können. Und bald steht der September und mit ihm all die Galerienvernissagen bevor. Und die Theater stehen auch schon in den Startlöchern. Und von den Openairs bewegen wir uns langsam aber sicher wieder in die geschlossenen Räume der Progrs, ISCs, Bierhübelis. Und, und, und. Wir wollen damit nicht sagen, dass ein Ausflug nach Zürich überflüssig sei. Sondern, dass es wieder einmal an der Zeit ist, Vorurteile zu überdenken. In Bern. Und natürlich auch in Zürich.

Donnerstag, 8. August 2013

Handy-Verbot in Berner Museen


Zugegeben, das ist wieder einmal ein reisserischer Titel. Aber immerhin lesen Sie jetzt unseren Beitrag. Dieser handelt nicht von einem effektiven Handy-Verbot, sondern will einen freiwilligen Verzicht anregen.

Warum? Weil unsere Leserin Frau K. aus B. beim Aareschwumm ihr Handy im türkisfarbenen Wasser versenkte und daraufhin nicht nur tagelang ohne Telefonfunktion, sondern auch ohne Uhr unterwegs war. Dies führte zunächst zu Verwirrung, nach und nach stellte sich aber ein Gefühl der Entschleunigung ein.

Als die entschleunigte Frau K. eines nachmittags mit ihrem Spross ins Museum für Kommunikation in Bern ging, wie sie es schon oft getan hatte, staunte sie am Ende des Besuchs nicht schlecht: Statt der üblichen 45 Minuten hatte sie ganze 2 Stunden im Ausstellungsraum zugebracht.

„Sonst schaue ich immer auf die Uhr. Dieses Mal haben wir uns ganz auf die Präsentation eingelassen und auch Räume besucht, die wir sonst gemieden haben“, erklärt sie gegenüber den Kultussen. Diese sind begeistert und wollen bald selbst das Experiment wagen, ohne Uhr ins Museum zu gehen. Im Casino funktioniert der Trick schliesslich auch ;-)

(Bild: Uhreninstallation im Hotel Schweizerhof, Bern)