Versicherungskosten für Kunstwerke sind in den letzten Jahren ins Unermessliche gestiegen, was es für Museen fast unmöglich macht, mit Hauptwerken der Kunstgeschichte zu Klotzen. Viel wichtiger ist die Arbeit mit hauseigenen Sammlungen geworden. Zudem richten viele Kuratoren ihr Augenmerk nicht mehr auf eine ganze Epoche oder Wirkenszeit eines Künstlers, sondern auf einen speziellen Aspekt. Die Ausstellung „Die Macht des Eros“, die heute im Kunstmuseum Bern eröffnet, legt den Fokus auf die Druckgrafiken Pablo Picassos, und deren erotische Inhalte. Eine kleine, feine verführerische Ausstellung, die noch bis am 1. Mai läuft.
Freitag, 25. Februar 2011
Mittwoch, 23. Februar 2011
Geheimnis um Mona Lisa ist gelüftet!
Pendlerzeitungen berichten nicht gerade ausführlich über Kunst, dafür umso ausführlicher über die Hintergründe zur Mona Lisa. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht irgendein Experte darüber spekuliert, wer Leonardo da Vinci für sein berühmtestes Gemälde Modell gesessen hatte. Jüngstes Beispiel:
http://www.20min.ch/diashow/diashow.tmpl?showid=35693
Aber ist das wirklich so interessant? Zugegeben, die Theorie, dass es sich um einen Mann gehandelt hat, ist amüsant, aber ob es nun die Frau eines Politikers oder die Tochter eines Künstlerfreundes war, ändert doch nichts an der Wahrnehmung des Gemäldes, das ja hauptsächlich gerade durch das Mysterium um die Porträtierte seine Faszination ausübt.
Aber Dan Brown hat es mit seinem Roman „Sakrileg“ erfolgreich vorgemacht: Wann immer die Kunstgeschichte mit einer detektivischen Lücke aufwartet, ist das Interesse am Werk auf einmal geweckt. So hat spätestens seit Browns Literaturverfilmung jeder eine Meinung, ob auf da Vincis Version des letzten Abendmahls Maria Magdalena dargestellt ist oder nicht.
Und wenn irgendwo ein Gemälde von Munch, van Gogh oder Picasso gestohlen wird, ist die Betroffenheit plötzlich weltweit da – unabhängig davon, ob die schockierten Nachrichtenleser die Bilder überhaupt voneinander unterscheiden könnten.
Verschwörungstheorien und Raube – das sind offenbar heute die wirkungsvollsten Marketinginstrumente für die Kunst, um im Gespräch zu bleiben. Kein Wunder ist denn der Kunstraub bei Wictionary auch gleich als erstes Anwendungsbeispiel beim Begriff „Raub“ aufgeführt:
Beispiele:
[1] Das Museum meldete heute den Raub eines wertvolles Gemäldes.
[2] Das Gericht verurteilte den Mann wegen Raubes.
[3] Der Täter versteckte den Raub im Keller.
[4] „Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.“[1]
Am grössten ist das öffentliche Interesse natürlich, wenn man nicht genau weiss, wer denn auf dem geraubten Gemälde eigentlich dargestellt ist...
http://www.20min.ch/diashow/diashow.tmpl?showid=35693
Aber ist das wirklich so interessant? Zugegeben, die Theorie, dass es sich um einen Mann gehandelt hat, ist amüsant, aber ob es nun die Frau eines Politikers oder die Tochter eines Künstlerfreundes war, ändert doch nichts an der Wahrnehmung des Gemäldes, das ja hauptsächlich gerade durch das Mysterium um die Porträtierte seine Faszination ausübt.
Aber Dan Brown hat es mit seinem Roman „Sakrileg“ erfolgreich vorgemacht: Wann immer die Kunstgeschichte mit einer detektivischen Lücke aufwartet, ist das Interesse am Werk auf einmal geweckt. So hat spätestens seit Browns Literaturverfilmung jeder eine Meinung, ob auf da Vincis Version des letzten Abendmahls Maria Magdalena dargestellt ist oder nicht.
Und wenn irgendwo ein Gemälde von Munch, van Gogh oder Picasso gestohlen wird, ist die Betroffenheit plötzlich weltweit da – unabhängig davon, ob die schockierten Nachrichtenleser die Bilder überhaupt voneinander unterscheiden könnten.
Verschwörungstheorien und Raube – das sind offenbar heute die wirkungsvollsten Marketinginstrumente für die Kunst, um im Gespräch zu bleiben. Kein Wunder ist denn der Kunstraub bei Wictionary auch gleich als erstes Anwendungsbeispiel beim Begriff „Raub“ aufgeführt:
Beispiele:
[1] Das Museum meldete heute den Raub eines wertvolles Gemäldes.
[2] Das Gericht verurteilte den Mann wegen Raubes.
[3] Der Täter versteckte den Raub im Keller.
[4] „Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.“[1]
Am grössten ist das öffentliche Interesse natürlich, wenn man nicht genau weiss, wer denn auf dem geraubten Gemälde eigentlich dargestellt ist...
Dienstag, 22. Februar 2011
Museumspersonal im Fokus II: Übereuphorische PR-Leute
Diese Presseleute schicken in der ganzen Welt Mitteilungen herum, die zur Ausstellung des „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“ laden. Beim Lesen kommen Sie sich dumm vor, denn Sie haben noch nie von dem Künstler gehört. Auf Wikipedia (das Sie zwar benützen, es in der Öffentlichkeit aber niemals zugeben würden), finden Sie einen kleinen Eintrag zum „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“. Er lässt Sie ratlos zurück. Zur Sicherheit rufen Sie die Presseleute an. Diese zeigen sich schockiert, dass Sie noch nie etwas vom „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“ gehört haben. Jetzt kommen Sie sich noch dümmer vor und studieren die Künstlerbiografie, die Ihnen die Presseleute mitgeschickt haben. Ganz viele Ausstellungen hatte der „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“, in Museen und Galerien weltweit – sagen tut Ihnen aber keine der Institutionen etwas. Verunsichert gehen Sie zur Ausstellungseröffnung. Die Werke des „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“ vermögen Sie so gar nicht zu begeistern. Ratlos verlassen Sie das Museum. Auf dem Weg nach draussen geben Ihnen die Presseleute noch die Einladung für die nächste Ausstellung mit. Diese wird Werke des „bedeutendsten Künstlers unserer Zeit“ präsentieren.
Montag, 21. Februar 2011
Sonntag, 20. Februar 2011
"Menschen sind in ihrer eigenen Hölle gefangen"
Heute geht im Kunstmuseum Bern und im Zentrum Paul Klee die Ausstellung "Lust und Laster" zu den sieben Todsünden zu Ende. Darum an dieser Stelle noch einmal das Interview mit dem Theologen Bernhard Neuenschwander zur heutigen Sicht auf die Todsünden, erschienen in der Berner Zeitung vom 4. Dezember 2010:
http://www.bernerzeitung.ch/kultur/kunst/Menschen-sind-in-ihrer-eigenen-Hoelle-gefangen/story/29828689
Samstag, 19. Februar 2011
Freitag, 18. Februar 2011
Was macht einen Künstler aus?
Kommentarschreiber Michael fragt, was denn ein „richtiger Künstler“ sei? Wir haben uns überlegt, anhand welcher Kriterien sich ein professioneller Kunstschaffender – im Unterschied zum „Hobbykünstler“ – definieren lässt, und sind auf folgende vier Punkte gekommen:
- Der professionelle Anspruch an sein eigenes Schaffen (Technik und Inhalt)
- Ein eigener künstlerischer Ausdruck in Technik oder Konzept (das kann auch die Weiterentwicklung eines bestehenden Ansatzes sein)
- Hinter der Technik oder dem Sujet steckt eine Fragestellung, beziehungsweise ein Konzept (jemand malt also nicht einfach wild drauf los, wild drauflos Malen kann aber durchaus ein Konzept sein)
- Die vierte Komponente ist ein nicht zu beeinflussender Mix aus Talent (Genius), Kreativität, Glück und Zufall, Netzwerk und Marktsituation
Was sind Ihrer Meinung nach die Kriterien?
Donnerstag, 17. Februar 2011
Videoporträt von Sbiti
Ein tolles Videoporträt des Berner Strassenkünstlers Sbiti. Produziert von Bekannten der Kultussen: Nicolas Fojtu und Bjørn Schaeffner.
Mittwoch, 16. Februar 2011
"Ich versteh davon zu wenig"
Kein Ottonormalverbraucher hat Schwierigkeiten zu sagen, dass ihm ein bestimmter Song gefällt: „Der Refrain ist so schön.“ Jeder hat Argumente dafür, warum ihm ein bestimmter Film so gefallen hat: „Er war spannend und überzeugend gespielt.“ Und auch ein gutes Buch ist schnell umschrieben: „Ich konnte mich mit der Protagonistin identifizieren.“
Alles ganz einfach, so scheint es. Doch bei der Kunst ist die Lage etwas anders. Auf die Frage, ob jemandem ein bestimmtes Kunstwerk gefällt, erhält man oft zur Antwort: „Keine Ahnung, ich verstehe davon zu wenig.“ Warum haben Menschen, die sich selber als Kunstbanausen bezeichnen, nicht den Mut, über ein Werk zu urteilen? Dabei darf doch jeder – gleichgültig, was der Kunstbetrieb dazu sagt – einen Picasso als zu hässlich, einen Kandinsky als zu farbig oder einen Turner als zu kitschig erachten.
Womöglich liegt das Problem in der Natur der Kunst selbst: Oftmals erklärt sie sich aus einem Konzept heraus und berührt den Betrachter über dessen Intellekt – weniger über sein Herz, wie es beispielsweise die Musik tut. Dies würde erklären, warum die Museumsbesucher beim Anblick eines prächtigen Böcklins nicht gleich in Tränen ausbrechen, sondern sich höchstens zu einem anerkennenden Nicken hinreissen lassen.
Womöglich ist die Kunst heute auch nicht mehr die adäquate Form, positive Emotionen zu wecken. Früher versetzte der Anblick von Tizians nackter Venus die männlichen und (!) weiblichen Betrachter in sexuelle Ekstase – heute, da jede Unterhosenfirma mit nackten Brüsten wirbt, ist der Betrachter wohl etwas abgestumpfter.
Ein Wehrmutstropfen: Kunst kann auch heute noch negative Emotionen wecken, und wie! Wehe der Künstler Martin Kippenberger nagelt einen Gummifrosch an ein Kreuz, dann hagelt es sogleich Kritik aus der christlichen Ecke. Wenn das Kunstmuseum Bern einen in Formaldehyd eingelegten Fötus ausstellt, wie 2005 bei „Mahjong“, laufen die Moralisten Sturm. Und Hirschhorns Blocher-Attacke löst noch heute Diskussionen über Subventionskürzungen aus.
Am Ende ist dies ja vielleicht die Hauptaufgabe der Kunst: Weniger zu gefallen, dafür umso mehr aufzuregen und durch angeregte Diskurse die Gesellschaft weiterzubringen.
Dienstag, 15. Februar 2011
Buchempfehlung: "FilmKunst"
In "FimKunst. Studien an den Grenzen der Künste und Medien" von Henry Keazor, Fabienne Liptay und Susanne Marschall analysieren die Autoren die Zusammenhänge zwischen Bildender Kunst und Filmen. Wie immer bei solchen Essaysammlungen ist die Auswahl etwas beliebig, dafür äusserst fundiert und umfangreich. Beispiele reichen von Akira Kurosawas Film "Dreams" von 1990, in dem er Van Goghs Kornfelder real werden lässt, bis zu Julie Taymors "Frida" von 2002, für den sich die Regisseurin des Morphings bediente und Gemälde Frida Kahlos in Filmszenen umsetzte (siehe Bild). Schüren Verlag, 400 Seiten.
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